Allegorie zum Bild „Der Parteiapparat“

Die Idee den „Parteiapparat“ mit der gesamten politischen Allegorie zu zeichnen, entstand aus der Betrachtung einzelner „Strumpfstrickmaschinen“ aus dem 19. Jh.
Die morbiden Maschinen aus dem Industriezeitalter produzierten auch „rote Socken“. Der umgangssprachliche Ausdruck „Rote Socke“ bezeichnete in der ehemaligen DDR die Zugehörigkeit einer Person zur Partei, der SED - Sozialistische Einheitspartei Deutschlands. Diese Bezeichnung wurde nicht offiziell, sondern hinter vorgehaltener Hand ausgesprochen.

Die Strumpfstrickmaschinen produzierten, wie auch der Parteiapparat der SED, neue Mitglieder - also neue „rote Socken“.
Das Bild „Der Parteiapparat“ zeigt keinen Schwerpunkt. Es gibt Hebel und Knöpfe,
die nirgendwo einen Bezugspunkt oder eine sinngemäße Funktion auslösen.
In diesem Bild wird nicht gezeigt, wer an welchem Hebel sitzt und wo der Haupthebel oder der rote Knopf (der Hauptschalter) generell existiert.

Das Bild zeigt keine schwarzen Linien auf weißem Papier, sondern es erinnert an ein Negativ (!). Der Parteiapparat ist demnach negativ zu deuten. Das Bild „Der Parteiapparat“ ergibt, wenn man nach der Funktion des Apparates selbst sucht, keinen Sinn. Würde die Maschine nachgebaut werden, könnte sie nicht funktionieren. Der Parteiapparat der DDR hat 40 Jahre funktioniert. Blickt man in die Geschichte (Wahlbetrug, Meinungsfreiheit, Menschenrechte) würde die Funktion in Frage gestellt werden.

Zeitungsartikel:

„Elly K. erfüllte den Fünfjahrplan“, BZ am Abend, 1953
„Die Trommel - Der Maschinengewehrschütze“, Die Trommel, 1963
„Heute lesen Sie: Panzer im Bildschirm“,
Gedicht gegen Konrad Adenauer, Die Trommel, 1963
„Kombinate sind ein starkes Rückgrad der Planwirtschaft“, Neues Deutschland, 1980
„Geschenk von Freunden“, Die Trommel, 1984
„Fernsehprogramm“
„Prominente befragt: Was ist das Wertvollste an der DDR“
„Fotomontage und Wandzeitung“, Die Trommel,
„Unsere Welle - Radioprogramm“
„Herzliche Glückwünsche für Genossen Erich Mielke ....“, Dynamo Sport, 1987
„Kosmonautentreff“,
„Argument der Woche - Das Westfernsehen - ein Instrument des Betruges und der Hetze“, Abteilung Agitation des ZK der SED, 1965
„Demokratische Schule - Sache des ganzen Volkes“, Kongreß - Zeitung, 1949
„Ein Laufsteg in der Klasse?“, Junge Welt, 1983

Von jedem Artikel hingen mehrere Kopien am Bild. Der Grund war den Betrachtern anzubieten die Artikel vom Bild zu entnehmen, sich mit ihnen auch nach der Betrachtung des Parteiapparates auseinanderzusetzen & ihnen somit zu veranschaulichen, in welch verschiedenen Formen die Partei, die SED, in der DDR Propaganda betrieb.

Die Absicht bestand darin, den Betrachtern durch den „Parteiapparat“ historische Geschichte ohne eine zusätzliche Erläuterung zu präsentieren. Die Artikel sprachen für sich selbst.

Ausgestellt im August 2004, Museumsquartier Wien, Electric Avenue