Buch: Tag Day Dies

Was denkt der Mensch in seinem Alltag? Es sind Kleinigkeiten, hochphilosophische Lebensstrategien, Tomatenbrote, Dialoge oder Ohrwürmer einzelner Songs. Dieses Buch umfasst die Gedanken und Bilder eines ganzen Tages irgendeiner Person in der Großstadt Berlin.

…das ist mein gehirn. m e i n g e h i r n……. ich bin jetzt in meinem kopf. unter meinen haaren. zwischen den ohren und hinter den augen. das dunkle da oben ist mein mathekomplex. die lichter stehen für sprache, musik, gefühl, takt. in der mitte sind alle bilder versammelt, die nicht in der wirklichkeit vorhanden sind. dort sind alle welten, die ich mir ausgedacht und gesammelt habe. die lasse ich nicht dunkel werden. die sind für immer beleuchtet. denn das kann mir keiner nehmen und das kann mir keiner schlecht reden. das muss ja nicht jeder sehen - oder? das reicht wenn ich dafür sorge, dass die lampen niemals ausgehen. was wohl in den vielen drähten und kabeln, leitungen drin ist? vielleicht bin ich noch zu jung um zu verstehen was sich in meinen leitungen befindet. vielleicht muss ich noch einmal hierher gehen, wenn ich älter geworden bin.

... Ich habe mal einen Brief von einer Frau geschrieben gelesen, die bat ihre Dienste einer Institution an. Darin schrieb sie, dass sie es geschafft hat, Mensch zu züchten. Die Embryos züchtet sie in Turnbeuteln heran. In ihrer Wohnung sind viele Turnbeutel und darin die kleinen Menschenkinder. Also das ist wirklich gruselig...

An den Säulen des Museums kann man noch die Reste des Krieges sehen. Des Krieges. Der zweite Weltkrieg war d e r k r i e g. Nicht einfach nur ein Krieg dem man einen Namen gibt. Es war d e r k r i e g. Ob sich hier jemand hinter einer der Säulen versteckt hat? Ob hier jemand hinter einer der Säulen verreckt ist? Der Krieg hat die Säulen schmuddelig gemacht. Sie waren einmal schön und stolz. Stolz sind sie jetzt aber auch noch. Denn der Kummer vergeht aber der Stolz bleibt. Den Stolz kann man pflegen wie einen Schatz. Den Kummer behandelt man wie einen räudigen Hund. Weg mit ihm. Weit weg damit.

"tag day dies ist ein gezeichnetes Tagebuch, der komplette Tagesablauf einer Studentin aus dem Prenzlauer Berg. Der Tag beginnt mit dem Aufwachen, Blick aus dem Hochbett, Zähne putzen, geht weiter mit Kaffee trinken, Computer an, raus, Uni, spazieren gehen durch Mitte usw., bis er mit lesen auf dem Hochbett wieder endet. Es sind aneinander-gereihte Momentaufnahmen - Abbildungen dessen, was der Autorin gerade ins Auge fällt und die sie mit dem kommentiert, was ihr dabei durch den Kopf geht: Beobachtungen, Gedanken, Tagträume oder lalalala, dum die dum und lauf. lauf. lauf; ein wenig so wie beim „Himmel über Berlin“, in dem die Ge-danken der Menschen hörbar gemacht wer-den. Ein Tag in 159 Standbildern und Mental Maps. Die Idee ist klasse, das Ergebnis kurz-weilig, schlicht schwarz-weiß gezeichnet und allemal cooler als jedes Weblog. Es ist erhält-lich bei: Neurotitan (Rosenthaler 39), Pro Qm (Alte Schönhauser 48), Aus Berlin (Karl-Liebknecht 17) und Supalife (Raumer 40)."
Rezension auf www.etoile.de